When the Shop Was Carried on Your Back

Wandernde Korbverkäufer im Frankreich des 18. und 19. Jahrhunderts

Stellen Sie sich eine Zeit vor, in der der Kauf eines Korbes nicht bedeutete, in ein Geschäft zu gehen – stattdessen kam das Geschäft zu Ihnen. Durch französische Städte und Dörfer zogen marchands de paniers, oder Korbverkäufer, und trugen dutzende handgeflechtener Waren auf ihren Schultern. Sie waren nicht nur Händler, sondern auch Botschafter des Handwerks und brachten die Korbflechterei an Orte, die weit von Werkstätten und Marktplätzen entfernt lagen.

Obwohl dieser Berufsstand heute nahezu vollständig verschwunden ist, haben sich mehrere bemerkenswert wertvolle bildliche Zeugnisse erhalten, die es uns ermöglichen, das Alltagsleben auf den Straßen des alten Frankreichs zu rekonstruieren. Zusammen erzählen sie eine faszinierende Geschichte von Handel, Handwerk und Unternehmergeist aus mehr als zweihundert Jahren.

Vom Handwerker zum Kunden

Im 18. und 19. Jahrhundert wurden die meisten Körbe in kleinen Familienwerkstätten hergestellt. Spezialisierte Ladenketten gab es noch nicht, sodass reisende Verkäufer eine wesentliche Rolle spielten. Sie kauften Waren direkt bei Korbflechtern und verkauften sie an Menschen in Städten und Dörfern.

Sie trugen fast jede denkbare Art von Korb: landwirtschaftliche Körbe, Marktkörbe, Essenskörbe, Einkaufskörbe, Aufbewahrungsbehälter, Tabletts und flache praktische Formen.

Es war ein echtes mobiles Geschäft, bei dem die Schultern des Verkäufers als Regale dienten.

Die frühesten Darstellungen von Korbverkäufern

1. Marchand de paniers - Adolphe Eugène Gabriel Roehn, 1817

Eine der frühesten erhaltenen Darstellungen ist eine farbige Lithographie aus der Serie Nouveaux Cris de Paris von 1817. Der Künstler zeigt einen Verkäufer, der fast vollständig unter einer beeindruckenden Last von Körben verborgen ist. Besonders auffällig ist die schiere Vielfalt der Formen, die von kleinen Körben bis zu großen Haushaltsbehältern reicht.

Es ist eine der ersten realistischen Darstellungen eines Pariser Straßenkorbverkäufers und keine allegorische Repräsentation des Berufs.

Abb. 1. Marchand de paniers („Korbverkäufer“), 1817

Farbige Lithographie von Adolphe Eugène Gabriel Roehn (1780-1867) aus der Serie Nouveaux Cris de Paris, die einen reisenden Verkäufer zeigt, der eine große Auswahl handgeflochtener Weidenkörbe auf dem Rücken trägt. Quelle: Musée Carnavalet – Histoire de Paris, Inventarnr. G.18336.

2. Le marchand de paniers - Sammlung Henri Hartmann

Eine weitere außerordentlich wertvolle Quelle ist ein anonymer Druck, der im Katalog der Pariser Weltausstellung 1900 veröffentlicht wurde. Die Bildunterschrift gibt lediglich an, dass er aus der Privatsammlung von Henri Hartmann stammt, einem der wichtigsten französischen Sammler von Kunst, die mit traditionellen Handwerken verbunden ist.

In der Illustration wirkt der Verkäufer fast wie eine lebendige Reklame für seine eigenen Waren. Die Körbe bilden eine riesige Struktur um seinen ganzen Körper, und ihre Anzahl zeigt, wie breit das Angebot für Kunden war.

Dieser Druck wurde später zur Inspiration für eine moderne Farbrekonstruktion, die von Wicker Academy angefertigt wurde.

Abb. 2. Le marchand de paniers („Der Korbverkäufer“).

Historischer Druck, der einen französischen reisenden Korbverkäufer zeigt. Reproduktion veröffentlicht im Katalog Musée rétrospectif de la classe 98 für die Pariser Weltausstellung 1900. Das Original stammt aus der Sammlung von Henri Hartmann. Farbrekonstruktion: Wicker Academy.

„Cries of Paris“ – Der Korbverkäufer unter den Straßenberufen

Mitte des 19. Jahrhunderts schuf Victor Adam seine berühmte Serie Cries of Paris and Plebeian Customs, die fünfzehn charakteristische Straßenberufe von Paris zeigt.

Neben einem Regenschirmverkäufer, einem Milchmädchen, einem Zeitungsverkäufer und Schornsteinfegern tauchte der Marchand de paniers – der Korbverkäufer – auf. Seine Aufnahme in die Serie zeigt, dass er ein vertrauter Teil der städtischen Szenerie und eine bekannte Gestalt auf den Straßen von Paris war.

Zu dieser Zeit waren Weidenkörbe für Handel, Haushalt, Bäckereien, Marktstände und den Transport von Lebensmitteln unverzichtbar.

Abb. 3. Victor Adam (1801-1866), Cries of Paris and Plebeian Customs, ca. 1847.

Lithographie, die fünfzehn traditionelle Straßenberufe von Paris darstellt, darunter einen Korbverkäufer (Marchand de paniers). Quelle: Musée Carnavalet - Histoire de Paris, Inventarnr. G.24793. Farbrekonstruktion: Wicker Academy.

Als die Fotografie den Druck ersetzte

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Arbeit der Straßenverkäufer auch vom bekannten französischen Fotografen Eugène Atget festgehalten.

Auf seinem Foto von etwa 1899–1900 sehen wir einen echten Korbverkäufer, der eine Pariser Straße entlanggeht. Er trägt mehr als ein Dutzend verschiedener Weidenwaren auf den Schultern, genau so, wie sie zuvor in Druckgrafiken dargestellt worden waren.

Die Fotografie ist ein außerordentlich wichtiges historisches Zeugnis, da sie bestätigt, dass die in früheren Illustrationen gezeigten Szenen das Alltagsleben auf den Straßen Frankreichs tatsächlich widerspiegelten.

Abb. 4. Marchand de paniers, Paris, ca. 1899–1900.

Fotografie von Eugène Atget (1857-1927), die einen Straßenkorbverkäufer zeigt. Quelle: Bibliothèque nationale de France, Public Domain. Kolorierung und Rekonstruktion: Wicker Academy.

Eine Begegnung in der Rue Mouffetard

Auf einem weiteren Foto von Eugène Atget hat der Verkäufer angehalten, um mit einer Kundin zu sprechen. Es ist ein bemerkenswerter Moment, der zeigt, wie Verkäufe direkt auf der Straße stattfanden, ohne Laden oder Schaufenster.

Die von seinem Rücken hängenden Körbe dienten als reisende Auslage und ermöglichten jedem Vorbeigehenden, die Waren aus nächster Nähe zu begutachten.

Abb. 5. Rue Mouffetard – Marchand de paniers, Paris, ca. 1899–1900.

Fotografie von Eugène Atget, die zeigt, wie Weidenwaren auf der Straße verkauft werden. Quelle: Bibliothèque nationale de France. Kolorierung und Rekonstruktion: Wicker Academy.

Körbe auf den Pariser Märkten

Körbe waren ein untrennbarer Teil des Pariser Marktlebens. Sie wurden zum Transport von Blumen, Gemüse, Obst und vielen anderen Waren verwendet. Historische Fotografien zeigen ganze Marktstände, die mit Weidenkisten, Präsentationskörben und Aufbewahrungsbehältern ausgestattet sind.

Diese Bilder zeigen, dass die Korbflechterei ein wichtiger Bestandteil des städtischen Handels und des Alltagslebens der Stadtbewohner war.

Abb. 6. Blumenmarkt in Paris, ca. 1898–1900.

Historische Fotografie, die Weidenwaren auf einem der Pariser Märkte zeigt. Quelle: Eugène Atget, Musée Carnavalet. Kolorierung: Wicker Academy.

Ein Vermächtnis, das Bestand hatte

Obwohl reisende Korbverkäufer schon vor mehr als einem Jahrhundert von den europäischen Straßen verschwanden, hinterließen sie außerordentlich wertvolle Zeugnisse materieller Kultur. Drucke, Lithographien und Fotografien zeigen nicht nur die bemerkenswerte Vielfalt traditioneller Korbformen, sondern auch die Bedeutung der Handwerker und Verkäufer, die über Generationen Weidenwaren an Haushalte, Bauernhöfe und Marktplätze lieferten.

Heute können wir dank digitaler Archive und der Forschung der Wicker Academy die Geschichte der europäischen Korbflechterei neu entdecken und uns an die Menschen erinnern, die dazu beigetragen haben, Weidenwaren zu einem untrennbaren Bestandteil des Alltags zu machen.

Bibliographie

  • Musée Carnavalet - Histoire de Paris, Marchand de paniers, Inventarnr. G.18336.
  • Victor Adam, Cries of Paris and Plebeian Customs, ca. 1847. Musée Carnavalet – Histoire de Paris, Inventarnr. G.24793.
  • Eugène Atget, Marchand de paniers, ca. 1899–1900. Bibliothèque nationale de France.
  • Musée rétrospectif de la classe 98. Brosserie, Maroquinerie, Tabletterie et Vannerie à l’Exposition universelle internationale de 1900 à Paris. Saint-Cloud: Imprimerie Belin Frères, 1900. CNUM.

 

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